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Geschichte des Straßburger Münsters: Tausend Jahre aus Stein, Licht und Geheimnissen
Schon beim Betreten des Münsterplatzes wird klar, warum das Straßburger Münster eine solche Faszination ausübt.
Inmitten der alten Gassen und elsässischen Fachwerkhäuser taucht die Fassade fast unvermittelt auf. Der rosafarbene Sandstein scheint je nach Himmelszustand seine Farbe zu wechseln, die Skulpturen ziehen sich bis in den kleinsten Winkel und der Turm scheint über den Dächern zu verschwinden.
Doch das Bauwerk, das wir heute bewundern, ist nicht aus einem einzigen Entwurf entstanden. Es ist das Ergebnis jahrhundertelanger Bauarbeiten, Zerstörungen, Umgestaltungen und Restaurierungen.
Vom romanischen Münster, dessen Bau 1015 begann, bis zum gotischen Bauwerk, das wir heute sehen, hat das Straßburger Münster religiöse Wandlungen, Kriege und politische Umbrüche überdauert. Es ist zugleich ein Ort des Glaubens, ein architektonisches Meisterwerk und eines der bedeutendsten Symbole von Straßburg und dem Elsass.
Inhaltsverzeichnis
1. Ein Münster mit über tausendjähriger Geschichte
2. Wenn die Romanik der Gotik weicht
3. Eine Fassade wie aus Steinspitze
4. Das Geheimnis des einzelnen Turmhelms
5. Die verborgenen Schätze im Inneren
6. Eine Kathedrale im Herzen der europäischen Geschichte
7. Ein Bauwerk in ständiger Arbeit
8. Ein Besuch mit dem Blick nach oben
9. Was gibt es rund um das Münster zu sehen?
10. Der Weg zum Münster vom Hôtel d’Alsace aus
1. Ein Münster mit über tausendjähriger Geschichte
Die Geschichte des Straßburger Münsters beginnt lange vor der Entstehung seiner berühmten gotischen Fassade.
In der Römerzeit trug Straßburg den Namen Argentoratum. Die Stadt nahm bereits damals eine strategisch wichtige Lage am Rhein ein. An der Stelle des heutigen Münsters sollen nacheinander mehrere religiöse Gebäude gestanden haben.
Im Jahr 1002 wurde ein früheres Münster während eines Konflikts um die kaiserliche Nachfolge zerstört. Einige Jahre später begann Bischof Wernher mit dem Bau eines neuen, monumentalen Gebäudes.
Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1015. Dieses Datum markiert den Beginn des großen romanischen Münsters, auf dem das heutige Bauwerk teilweise ruht. Von diesem ersten Bau sind heute vor allem die Krypta und der ursprüngliche Grundriss erhalten geblieben.
Die romanische Kathedrale wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach von Bränden heimgesucht. Der Brand von 1176 verursachte so schwere Schäden, dass eine neue Bauphase eingeleitet werden musste.
Die Baumeister rissen nicht alles ab, um von vorne zu beginnen. Sie nutzten die bestehenden Fundamente, bewahrten bestimmte Teile und wandelten andere schrittweise um.
Aus diesem Grund zeigt sich das Straßburger Münster von verschiedenen Seiten. Seine Architektur erzählt die unterschiedlichen Etappen seiner Geschichte, als hätte jede Generation ihre eigene Seite zum Bauwerk hinzugefügt.
2. Wenn die Romanik der Gotik weicht
Die ersten Teile, die nach dem Brand von 1176 wiederaufgebaut wurden, folgten noch den Prinzipien der romanischen Architektur.
Die Mauern sind massiv, die Volumen wuchtig und die Fensteröffnungen vergleichsweise schmal. Apsis und Querhaus bewahren noch heute die Spuren dieser wuchtigeren Bauweise.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts änderte sich jedoch die Ausrichtung der Baustelle.
Die Baumeister begannen, die Techniken der gotischen Architektur anzuwenden, die in den großen Kathedralen Nordfrankreichs entwickelt worden waren. Die Bögen wurden schlanker, die Gewölbe höher und die Fenster größer.
Der Stein schien daraufhin einen Teil seines Gewichts zu verlieren.
Dank Spitzbögen, Kreuzrippengewölben und Strebepfeilern konnten die Baumeister höher bauen und mehr Licht in das Gebäude lassen.
Diese Entwicklung ist bei einem Besuch perfekt nachvollziehbar. Chor und Querhaus erinnern an die Solidität der romanischen Kunst, während das Kirchenschiff und die Fassade die ganze Finesse der Gotik zeigen.
So wurde die Kathedrale zu einem wahren Buch der mittelalterlichen Architektur. Man muss nur den Blick heben und die verschiedenen Teile vergleichen, um mehrere Jahrhunderte künstlerischer Entwicklung zu durchschreiten.
3. Eine Fassade wie aus Steinspitze
Die Westfassade ist wahrscheinlich das erste Bild, das einem nach der Entdeckung der Kathedrale im Gedächtnis bleibt.
Sie beeindruckt durch ihre Höhe, vor allem aber durch die Fülle ihrer Details.
Biblische Figuren, Heilige, Propheten, Tiere und florale Motive finden sich rund um die drei großen Portale. Einige Skulpturen sind leicht zu erkennen, während sich andere in der Höhe oder zwischen den architektonischen Elementen verbergen.
Die Fassade ist nicht einfach nur eine mit Skulpturen bedeckte Mauer. Ein Teil ihres Dekors bildet ein steinernes Netz, das vor der Hauptstruktur angebracht ist. Dieser Effekt erweckt den Eindruck, als würde man eine riesige steinerne Spitze betrachten.
Auch die Farbe des Bauwerks trägt zu seiner Einzigartigkeit bei.
Die Kathedrale wurde aus rosa Vogesensandstein erbaut. Je nach Lichteinfall kann die Fassade blassrosa, golden, orange oder fast rot wirken. Sie sieht daher nie ganz gleich aus.
Über den Portalen befindet sich die große Fensterrose, deren Glasmalereien ein farbiges Licht in das Innere des Kirchenschiffs tauchen.
Der Entwurf der Fassade wird insbesondere Meister Erwin zugeschrieben, der oft als Erwin von Steinbach bezeichnet wird. Ein Bauvorhaben dieser Größenordnung übersteigt jedoch bei weitem das Leben eines einzelnen Architekten.
Mehrere Generationen von Baumeistern, Steinmetzen, Bildhauern, Zimmerleuten, Glasern und Schmieden haben nacheinander an der Errichtung und Ausschmückung des Denkmals mitgewirkt.
4. Das Geheimnis des einzelnen Turmhelms
Wenn man die Kathedrale von vorne betrachtet, fällt ein Detail sofort ins Auge: Nur einer der beiden Türme besitzt einen Turmhelm.
Die Fassade war ursprünglich für zwei Türme konzipiert. Doch im Laufe der Bauzeit änderte sich das Projekt. Letztlich wurde nur der Nordturm mit einem riesigen gotischen Turmhelm bekrönt.
Die genauen Gründe für diese Asymmetrie sind wahrscheinlich vielfältig: Planänderungen, technische Schwierigkeiten, die lange Bauzeit und die enormen Kosten für einen zweiten Turmhelm.
Was als unvollendetes Bauwerk hätte gelten können, wurde zum Markenzeichen des Denkmals.
Der 1439 fertiggestellte Turmhelm erreicht laut der offiziellen Website der Kathedrale eine Höhe von etwa 143 Metern. Lange Zeit machte er das Straßburger Münster zu einem der höchsten Gebäude der christlichen Welt.
Seine durchbrochene Struktur verleiht ihm trotz der enormen Menge an verbautem Stein eine beeindruckende Leichtigkeit.
Für die Bewohner und Reisenden des Mittelalters war er weit mehr als eine architektonische Meisterleistung. Er diente als Orientierungspunkt in der gesamten elsässischen Ebene und symbolisierte die Macht von Straßburg.
Noch heute ist er von vielen Stadtvierteln aus sichtbar und erinnert unmittelbar an die Präsenz des historischen Zentrums.
5. Die verborgenen Schätze im Inneren
Nach der Pracht der Fassade bietet das Innere eine ganz andere Atmosphäre.
Das Kirchenschiff wirkt dunkler, ruhiger und feierlicher. Die hohen Säulen lenken den Blick zu den Gewölben, während die Glasmalereien ihre Farben auf den Stein werfen.
Zu den bemerkenswertesten Kunstwerken zählt der Engelspfeiler.
Er befindet sich im südlichen Querhaus und stellt das Jüngste Gericht dar. Die Evangelisten, Engel und Christus sind vertikal um einen zentralen Pfeiler angeordnet. Das Ensemble lädt den Besucher ganz natürlich dazu ein, den Blick nach oben zu richten.
Die Kathedrale beherbergt zudem eine reich verzierte Kanzel, Taufbecken, eine große hängende Orgel und eine bemerkenswerte Sammlung an Glasmalereien.
Diese Fenster zeigen religiöse Szenen, Heilige und historische Persönlichkeiten. Im Mittelalter dienten sie nicht nur der Verschönerung des Gebäudes. Sie vermittelten auch Geschichten und Lehren an eine Bevölkerung, die nicht immer lesen konnte.
Die astronomische Uhr, eine Maschine, die die Zeit erzählt
Die astronomische Uhr ist eines der berühmtesten Elemente des Straßburger Münsters.
Im Laufe der Jahrhunderte folgten verschiedene Mechanismen aufeinander. Die heutige Uhr geht insbesondere auf die Arbeiten von Jean-Baptiste Schwilgué im 19. Jahrhundert zurück.
Sie zeigt weit mehr als nur die Uhrzeit an. Sie vereint Informationen zum Kalender, zu den Bewegungen der Gestirne und zu religiösen Feiertagen.
Ihre Automaten setzen verschiedene Figuren in Szene, darunter die Apostel und die Lebensalter. Auch der mechanische Hahn ist zu einem ihrer Symbole geworden.
Diese Uhr ist eine erstaunliche Begegnung von Kunst, Mechanik, Astronomie und Religion. Sie bleibt eine der Hauptattraktionen der Kathedrale.
6. Eine Kathedrale im Herzen der europäischen Geschichte
Die Kathedrale war schon immer untrennbar mit der Geschichte Straßburgs verbunden.
Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt zu einem bedeutenden Zentrum der protestantischen Reformation. Der protestantische Gottesdienst hielt Einzug in die Kathedrale, die jedoch einen Großteil ihrer Architektur und ihrer Kunstwerke bewahrte.
Im Jahr 1681 wurde Straßburg unter der Herrschaft Ludwigs XIV. an das Königreich Frankreich angegliedert. Die Kathedrale wurde daraufhin wieder für den katholischen Gottesdienst genutzt und ihre Innenausstattung wandelte sich.
Während der Französischen Revolution wurde das Bauwerk in einen Tempel der Vernunft umgewandelt.
Die Zerstörungen blieben jedoch begrenzt. Mehrere gotische Statuen wurden von den Straßburgern in Sicherheit gebracht, wodurch ein bedeutender Teil des mittelalterlichen Dekors erhalten werden konnte.
Die Kathedrale überstand anschließend die Konflikte zwischen Frankreich und Deutschland.
Sie wurde während des Krieges von 1870 beschädigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie unter der Nazi-Besatzung für den Gottesdienst geschlossen, bevor sie nach der Befreiung Straßburgs im November 1944 wiedereröffnet wurde.
Diese Abfolge von Ereignissen erklärt, warum Notre-Dame de Strasbourg Teil einer zutiefst europäischen Geschichte ist. Ihre Architektur, ihre Nutzung und ihre Veränderungen zeugen von den französischen, germanischen und rheinischen Einflüssen, die die Stadt geprägt haben.
7. Ein Bauwerk in ständiger Arbeit
Besucher wundern sich manchmal über die Gerüste an der Kathedrale.
Dabei gehören sie fast schon zu ihrer Geschichte dazu.
Der rote Sandstein ist ein wunderschöner Stein, aber empfindlich gegenüber Frost, Regen, Umweltverschmutzung und Temperaturschwankungen. Die Skulpturen, Fialen und feinsten Elemente müssen regelmäßig überwacht und restauriert werden.
Diese Aufgabe wird insbesondere von der Fondation de l’Œuvre Notre-Dame wahrgenommen, einer jahrhundertealten Institution, die sich der Instandhaltung, Bewahrung und Restaurierung der Kathedrale widmet.
Zu ihren Teams gehören Steinmetze, Bildhauer, Architekten und Denkmalschutzexperten.
Wenn ein Stein zu stark verwittert ist, kann er durch ein neues Element ersetzt werden, das die ursprüngliche Form getreu wiedergibt. Die Handwerker verbinden so traditionelles Fachwissen mit modernen Konservierungsmethoden.
Die Kathedrale ist also kein starres Denkmal.
Sie ist ein lebendiges Werk, das ständig überwacht, restauriert und weitergegeben wird. Die im Mittelalter begonnene Baustelle dauert in gewisser Weise bis heute an.
8. Ein Besuch mit dem Blick nach oben
Ein Besuch des Straßburger Münsters erfordert Zeit.
Es reicht nicht aus, nur kurz hineinzugehen, die Uhr zu betrachten und wieder hinauszugehen. Das Bauwerk erschließt sich langsam, indem man regelmäßig den Blickwinkel wechselt.
Beginnen Sie damit, die Fassade von der Mitte des Platzes aus zu betrachten. Diese Distanz hilft dabei, die allgemeine Struktur zu erfassen.
Gehen Sie anschließend näher an die Portale heran. Die Skulpturen werden dann deutlicher und Details, die aus der Ferne unsichtbar waren, kommen zum Vorschein.
Nehmen Sie sich im Inneren die Zeit, das Kirchenschiff, die Glasfenster, die große Orgel, die Kanzel, den Engelspfeiler und die astronomische Uhr zu betrachten.
Richten Sie Ihren Blick auch nach oben in die höheren Bereiche. Besucher schauen oft nur geradeaus und übersehen dabei zahlreiche Details, die über den Türen, an den Säulen oder unter den Gewölben angebracht sind.
Die Aussichtsplattform erklimmen
Wer schwindelfrei ist, kann die Aussichtsplattform des Münsters besuchen.
Sie befindet sich in 66 Metern Höhe und ist über 332 Stufen erreichbar. Von dort aus bietet sich ein Blick über die Dächer von Straßburg, die elsässische Ebene und bei klarem Wetter bis hin zu den Vogesen und dem Schwarzwald.
Der Aufstieg ermöglicht es zudem, die Dächer, den Turm und architektonische Details aus der Nähe zu betrachten, die vom Platz aus nicht zu sehen sind.
Öffnungszeiten und Zugangsmöglichkeiten können je nach Gottesdiensten, Bauarbeiten oder Veranstaltungen variieren. Es ist ratsam, sich vor dem Besuch über die aktuellen Informationen zu informieren.
9. Was gibt es rund um das Münster zu sehen?
Der Besuch endet nicht an den Toren des Münsters.
Das Münster liegt im Herzen der Grande-Île, dem historischen Zentrum von Straßburg. Dieses städtische Ensemble, das sich um das Bauwerk gruppiert, gehört zum UNESCO-Welterbe.
In unmittelbarer Nähe zieht das Maison Kammerzell mit seiner reich verzierten Fassade alle Blicke auf sich.
Auf der anderen Seite des Münsters befindet sich der Place du Château, von dem aus man das Palais Rohan mit seinen verschiedenen Museen entdecken kann.
In wenigen Gehminuten erreichen Sie außerdem:
• den Place Gutenberg;
• den Place Kléber;
• die Ufer der Ill;
• die Einkaufsstraßen der Grande-Île;
• das Viertel Petite France;
• die Ponts Couverts und das Barrage Vauban.
Das Münster ist somit ein idealer Ausgangspunkt für einen Entdeckungstag in Straßburg.
Ein Spaziergang rund um das Bauwerk ermöglicht es zudem, es aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Der Turm erscheint zwischen den Häusern, über den Straßen oder in den Sichtachsen von den Ufern aus.
10. Anreise zum Münster vom Hôtel d’Alsace
Das Hôtel d’Alsace in Illkirch-Graffenstaden bietet eine bequeme Anbindung an das Straßburger Stadtzentrum.
Die Haltestelle Cours de l’Illiade der Straßenbahnlinie A befindet sich in unmittelbarer Nähe unseres Hauses.
Die Fahrt ins Stadtzentrum dauert etwa 25 Minuten. Auf der Grande-Île angekommen, ist die Kathedrale bequem zu Fuß erreichbar.
So umgehen Sie den dichten Verkehr und die schwierige Parkplatzsuche in der historischen Altstadt.
Nach einem erlebnisreichen Tag können Sie ganz entspannt mit der Straßenbahn zurück zum Hôtel d’Alsace fahren.
Unser Empfangsteam steht Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung und gibt Ihnen gerne Tipps zu Routen, Verkehrsmitteln und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Straßburg.
Das Straßburger Münster: Ein Bauwerk, an dem man sich nie sattsehen kann
Das Straßburger Münster beeindruckt zunächst durch seine schiere Größe. Doch oft sind es die kleinen Details, die einem am längsten in Erinnerung bleiben.
Eine versteckte Skulptur im Portal, das Farbspiel eines Buntglasfensters, eine Figur der astronomischen Uhr oder der Ausblick von der Plattform – all das kann einen einfachen Besuch in eine wahre Zeitreise verwandeln.
Der Bau begann im Jahr 1015. Über mehr als tausend Jahre hinweg wurde das Münster im gotischen Stil von Generationen von Handwerkern geformt und geprägt.
Heute ist es ein lebendiger Ort des Glaubens, ein architektonisches Meisterwerk und das symbolische Herz der Straßburger Altstadt.
Nehmen Sie bei Ihrem nächsten Aufenthalt im Hôtel d’Alsace die Straßenbahn ins Zentrum, schlendern Sie durch die Gassen der Grande-Île und lassen Sie sich vom Turm den Weg weisen.
Vielleicht kommen Sie, um einfach nur ein Denkmal zu besichtigen. Doch in Wahrheit werden Sie eine Geschichte aus Stein, Licht und Geduld entdecken, die vor über tausend Jahren ihren Anfang nahm.
